Klaus Doppler über "Gestatten: Elite"
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Speziell in Zeiten der Krise richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Manager, auf die da oben. Die einen schlagen auf sie ein, weil sie sie als Verursacher der Krise und Versager ansehen, die anderen erwarten noch stärker als sonst den
Helden, der aus der Krise herausführt. Ein ganzer Berufsstand, der sich in guten Zeiten locker und ungeniert in Managementzeitschriften in Serie in Form personalisierter Erfolgsstories vermarkten lässt, wird erbarmungslos
unter die Lupe genommen, seziert und entlarvt oder verstärkt mit noch gesteigerten Anforderungen konfrontiert.
Die Erwartungen kommen nicht von ungefähr, sie werden durch entsprechende Ansagen geradezu gezüchtet. Einschlägige Stellenprofile und entsprechende Darstellungen in der Öffentlichkeit vermitteln
das Bild einer abgehobenen Sonderklasse, auserwählt und qualifiziert, Unternehmen in jedweder Lage professionell und erfolgreich zu führen.
Julia Friedrichs hat sich getraut, die strahlend ausgeleuchtete Vorderbühne zu verlassen und ausgiebig den Raum hinter der Bühne zu inspizieren. Sie recherchierte ein Jahr lang an den Brutstätten - an Elite-Universitäten, Elite-Akademien, Elite-Internaten -
welche Art von Menschen da überhaupt herangezüchtet werden und mit welchen Qualifikationen und inneren Einstellungen diese ausgestattet sind beziehungsweise werden.
Quintessenz vorab: "Heinrich mir graut's vor dir", könnte man mit Gretchen stöhnen, falls man aus der Schulzeit wenigstens noch Faust 1 in Erinnerung behalten hat oder zumindest "abgeschminkt".
Die so genannten Mächtigen von morgen leben und studieren bereits jetzt in einer abgehobenen elitären Parallelwelt. Viele sind schon in ihrem Herkunftsmilieu so aufgewachsen und auf die Selbstverständlichkeit der Elite-Sonderrolle konditioniert oder haben sich durch besondere Begabung dahin durchgekämpft und sind nun überzeugt, etwas ganz Besonderes zu sein.
Kerneinstellungen: rein betriebswirtschaftliches Denken, absolutes Profitstreben, Kapitalismus pur, der Mitarbeiter als Arbeitsressource, die sich rechnen muss - selbst auf jeden Fall auserwählt gegenüber der Masse der Normalen, nur vereinzelt und am Rande aufgeschlossen für gesellschaftliche Fragestellungen, ohne sich bewusst zu sein, dass ihr eigentlicher Erfolgsfaktor im elterlichen Geld, Vermögen und entsprechenden Beziehungen zwischen den Erfolgreichen oder in einer persönlichen "geschenkten" Sonderbegabung besteht -
und keinerlei Legitimation bietet, auf andere verächtlich herunterzuschauen.
Ein sehr realitätsnaher Bericht, erschütternd für manche, ernüchternd auf jeden Fall, unbedingt lesenswert.
Die Buchempfehlung von Klaus Doppler
Julia Friedrichs: Gestatten: Elite
Über Klaus Doppler
Klaus Doppler - er studierte Theologie und Psychologie und wurde in Tiefenpsychologie und Gruppendynamik ausgebildet - ist seit Jahrzehnten persönlicher Berater vieler CEOs. Er hat zahlreiche Unternehmen und Manager in Change- Prozessen beraten und begleitet. Die Erkenntnisse aus seiner langjährigen Tätigkeit hat er in seinem jüngsten Buch Der kleine Kämpfer und sein Weg zum Glück zum Ausdruck gebracht.
Weitere Buchveröffentlichungen sind der Klassiker Change Management - Den Unternehmenswandel gestalten und Incognito - Führung von unten betrachtet.
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