Thomas Ramge über "Morgen komm ich später rein">> Zurück zu den Experten-BuchtippsEin Buch über Telearbeit und Digitale Nomaden? Im Jahr 2008? Das klingt nicht gerade nach eine Buch, das seiner Zeit voraus ist. Auch der populäre Titel dürfte ein wenig polarisieren. Doch oberflächliche Eindrücke täuschen bekanntlich oft. Markus Albers zeigt in "Morgen komm ich später rein", warum wir eigentlich erst jetzt anfangen, uns vom Büro zu emanzipieren. Warum Anwesenheitspflicht und Schreibtischzwang noch immer das Leben vieler Festangestellter dominieren, aber eben auch wie innovative Unternehmen merken, dass produktive Mitarbeiter nach dem x-ten gesellschaftlichen Individualisierungsschub heute Freiraum wollen und brauchen. Das Buch verheisst ein produktiveres, kreativeres und vor allem selbstbestimmteres Leben für alle Wissensarbeiter, und das sind inzwischen immerhin knapp 50 Prozent aller Jobs. Albers zeigt anhand vieler Beispiele, Studien, Experten, Manager und ganz normaler Angestellter wie die künftige Easy Economy - so nennt er das - schon heute funktioniert. Kurz gesagt: Fortschrittliche Unternehmen messen Leistung nicht mehr in Zeit, sondern in Ergebnissen. Ihre Mitarbeiter gehen tagsüber einkaufen, ins Kino oder spielen mit den Kindern. Dabei ist das Buch so gut gelaunt und verständlich geschrieben, dass es auch Laien gern lesen dürften. Und so wie diese neuen Freiangestellten - eine Wortschöpfung des Autors - möchte man eigentlich sofort selbst arbeiten. Wenn man nicht sowieso selbständig ist. Aber genau das ist die These, die hier auf überzeugende Weise verhandelt wird: Zum ersten Mal in der Geschichte können Festangestellte so arbeiten wie bisher nur Freiberufler. Der flächendeckende Breitbandanschluss und die Qualität von Wissensarbeit machen es möglich. Freiheit am Arbeitsplatz ist kein Selbstzweck. Arbeitgeber gewinnen motiviertere, kreativere und loyalere Mitarbeiter, sparen Immobilienfläche und Energie, weil nicht mehr jeder jeden Tag ins Büro kommt. Arbeitnehmer gewinnen endlich die Kontrolle über ihre Lebenszeit. Und was die potentiellen Nachteile des mobilen und flexiblen Arbeitens angeht, gibt der Autor viele praktische Tipps, wie man die eigene Produktivität steigert. Der wichtigste dürfte sein: Erreichbarkeit und Ablenkung reduzieren. Ein insgesamt sehr lesenswerter Ausflug in die Arbeitswelt von morgen. Die Buchempfehlung von Thomas RamgeMarkus Albers: Morgen komm ich später reinÜber Thomas RamgeThomas Ramge ist Journalist und Moderator. Er arbeitet als fester Autor für das Wirtschaftsmagazin brand eins und schreibt zudem für Die ZEIT und GEO. 2007 erhielt er den Herbert Quandt Medien-Preis.Bücher von Thomas RamgeHolm Friebe, Thomas Ramge: Marke Eigenbau |
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