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Interview mit Alexander Dill

Alexander Dill im Gespräch mit ecolot



ecolot.de: Ihre Kernthese aus "Der große Raubzug" ist, dass die Schuldigen an der Finanzkrise nicht nur an der Wall Street, sondern auch hierzulande zu finden sind. Wer sind die Täter?
Ich nenne sie "Marktfreie", also Bürger, die selbst dem Auf und Ab des Marktes nicht ausgesetzt sind. Politiker, Beamte und ihre Klientel. Sie haben sich ein Beraterheer von Volkswirten gehalten, etwa Roland Berger, Mc Kinsey, Boston Consulting, Bert Rürup und Hans-Werner Sinn und die über 200 Unterzeichner des "Hamburger Appells". Diese haben es zu verantworten, dass deutsche Staatsbanken in ABS und CDS einstiegen.


Welche Bestrafung schlagen Sie vor?
Durch die faktische Große Koalition von mindestens fünf Parteien, die alle die Marktfreien vertreten, kann über Wahlen nicht mehr die Politik verändert werden. Meines Erachtens ist das Sondergesetz zur 480 Milliarden Bankenhilfe, in dem in §11 steht "Ein Haushalts- und Wirtschaftsplan wird nicht aufgestellt", verfassungswidrig. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn die deutsche Volkswirtschaftslehre abgewickelt würde wie einst die Ökonomen der DDR und Politiker nicht mehr auf Professoren hören würden, die die Irrlehren von Wettbewerb und Globalisierung gepredigt haben.


Was ist das "Stupid German Money"?
Der Begriff kommt eigentlich aus der Filmbranche, wo in den 80ern erfolglose Hollywood-Filme mit deutschen Steuersparfonds finanziert wurden. Er bezeichnet in der naiven Hoffnung auf blumige Versprechen gegebene Finanzmittel und trifft sicher besonders auf die CDS zu. Nicht umsonst ist Deutschland mit fast einer Billion nach den USA der Hauptbetroffene.


Sie widmen sich als Autor ebenso der Weltfinanzkrise, Religion wie auch der Kindererziehung. Was treibt Sie an, Position zu beziehen?
Vor einigen Monaten habe ich mit Dr. Dirk Solte telefoniert, dessen Warnung vor dem Crash des Finanzsystems von Steinbrück und Issing Anfang 2007 ignoriert wurde. Ich wollte ihm helfen, Rezensionen zu bekommen, aber alle Medien lehnten ab. Da sagte ich zu ihm "Ich kann nicht mehr nur als Dandy hier in meinem Refugium leben". Seitdem beziehe ich Position und sehe mir auch die Not von Arbeitslosen an, die ihr Geld frühestens nach drei Wochen bekommen und bei der staatseigenen Postbank 18,2% Zinsen zahlen müssen. Ich kann einfach diese Ungerechtigkeit nicht ertragen.


Über Alexander Dill


Alexander Dill, 1959 in München geboren, wuchs als Kind in einer Berliner Kommune auf. Er studierte Psychologie, Soziologie und Philosophie an der Freien Universität zu Berlin, in New York und Paris. Der selbständige Unternehmer wird als kritischer Zeitgeist angesehen, der die erfolgreiche Internetseite "Whatiseconomy.com" betreibt. Des Weiteren publiziert er regelmäßig in renommierten Zeitungen und Zeitschriften, wie Financial Times Deutschland, Brandeins, Süddeutsche Zeitung, HORIZONT, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Berliner Zeitung und dem Tagesspiegel. Dr. Alexander Dill lebt heute mit seiner Familie in Österreich.

Alexander Dills Buch

[Alexander Dill: Der große Raubzug]

Alexander Dill: Der große Raubzug

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